
Erscheinungsjahr: 2003
Spielzeit: 60 min
Bestellnummer: acm319129
Preis: 18.99 €
sur taquito militar homenaje a cordoba vuelvo al sur mañana vemos tangata el dia que me quieras baires 72 milonga sin palabras fugata malena
Der Name ist Programm: Das Berliner Quintett bietet Tango-Musik, die, gleichviel ob sie nun die zu Tanzzwecken geschriebenen Tangos der 30er oder 40er Jahre oder Piazzollas für die Konzertbühne konzipierten Tango-Nuevo-Stücke spielen, für die konzertante Darbietung gedacht ist. Der Interpretationsgeist des Ensembles setzt generell entschieden auf Feinheiten, die nur konzertant das verdiente Gehör finden. Was nicht bedeutet, dass man auf einen Teil des Repertoires, etwa Troilos “Sur², Gardels “El Dia Que Me Quieras², Demares “Malena² oder Mores¹ muntere Milonga “Taquito Militar², bei denen die Interpretation dicht an der Notierung bleibt, nicht auch problemlos tanzen kann. Wie immer bei Piazzolla sind auch dessen Stücke nur (und keineswegs alle) mit tänzerischer Improvisationslust und der Fähigkeit, zu einem imaginären Puls tanzen zu können, tanzbar. So etwa bei dem getragenen, jedoch rhythmisch präsentierten Titel “Vuelvo al Sur², wohingegen man bei der “Hommenaje a Cordoba² mit ihrem zeitlupenhaft-deskriptiven Duktus schon an Grenzen stößt. Hier wie bei den meisten Titeln zeigt sich das konzertante Konzept der Formation, die aus dem Saxophonisten Roland Schmitt, der Geigerin Miriam Risch, dem Gitarristen Oliver Fartach-Naini, dem Pianisten Roman Hengge und dem Kontrabaßisten Oliver Potratz besteht: Die Stücke werden sehr filigran-kunstvoll mit kammermusikalischer Attitüde umgesetzt. Jede Nuance, jede dynamische, wohlkalkulierte Feinheit baut den Spannungsbogen mit auf und möchte deshalb gehört werden. Auffällig auch der Anspruch der Gruppe an die Arrangements, die zum Teil von Hengge stammen, durchweg ambitioniert sind und die Stimmen und Klangfarbenmöglichkeiten des Ensembles abwechslungsreich und wirkungsvoll in Szene setzen. Einige Stellen lassen die Affinität einzelner Musiker des Quintetts (Schmitt, Hengge, Potratz) zum Jazzidiom aufleuchten. Etwa das sanft-gewirkte Baßsolo, mit dem die “Homenaje² ausklingt; in “Vuelvo al Sur² erhält der Saxophonist Gelegenheit zu einer jazzmäßigen Improvisation , die er glanzvoll zu nutzen versteht und dabei sowohl in Klang wie in Phrasierung an den großen argentinischen Kollegen Gato Barbieri erinnert. Vielleicht läßt man im Konzert diesbezüglich die Leine noch etwas mehr los. Überhaupt hat das Ensemble mit dem Saxophonisten eine für das Genre außergewöhnliche, markante und kraftvolle Stimme. Durchweg ansprechende Interpretationen eines kompakt wirkenden Ensembles. Gerhard Litterst 1. Tanzbarkeit: ++ 2. Klangqualität: ++++ 3. Titelauswahl/Interpretation: ++++ 4. Editorischer Wert: +++ 5. Vokalanteil: - 6. Spieldauer: 60:01 min. Gerhard Litterst ist seit 1979 als freier Journalist im kulturellen Bereich für diverse Fachzeitschriften tätig. Neben seiner journalistischen Ausbildung hat er eine musikalische Ausbildung in klassischem Gesang und Musiktheorie. --------------------------------------------------------------------------- Erschienen in Tangodanza (Zeitschrift für Tango Argentino) Nr. 4/2003
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