
Erscheinungsjahr: 2000
Spielzeit: 50 min
Bestellnummer: sn061840
Preis: 18.99 €
tomo y ombligo soledad el dia que me quieras por una cabeza volver mano a mano cuesta abajo golondrinas melodia de arrabal caminito volvio una noche la cumparsita mi buenos aires querido
Daß sich klassische Musiker der Tangoliteratur annahmen ist nichts Neues mehr (Daniel Barenboim oder Gidon Kremer etwa). Dabei ist es hauptsächlich das Werk Astor Piazzollas, dem ihr Interesse gilt. Auch klassische Sänger wenden sich immer wieder gerne dem volkstümlichen Liedgut zu, um ihre Erdverbundenheit zu unterstreichen. Dahinter mag, (wenn das Ergebnis stimmt), legitimerweise regelmäßig auch glasklares Kalkül der Plattenfirma stehen, denn große Stimmen verkaufen sich mit populärem Material noch besser, als sie es mit ihrem Opernrepertoire ohnehin schon tun. Nachdem sein Landsmann Jose Cura bereits mit seiner Zusammenstellung “Anhelo - Argentinische Lieder³ enorm gepunktet hat, erweist nunmehr auch der argentinische Tenor Marcelo Alvarez der Liedtradition seines Landes, genauer: Der Tango-Legende Gardel, seine Referenz. Dabei hatte Alvarez bekennendermaßen mit Tango-Musik bislang nichts im Sinn, ja vor noch knapp zehn Jahren nicht einmal mit einer Gesangskarriere. Erst 1995, mit 29 Jahren, hatte er sein erstes Engagement am renommierten Opernhaus “La Fenice³ in Venedig. Fast ein bisschen märchenhaft mutet es an, wie der gesangliche Spätzünder in den Folgejahren mit vornehmlich italienischen Bel-Canto-Rollen an den wichtigsten Opernbühnen der Welt debütierte - und überzeugte. Für seine Hommage an Gardel nahm sich Alvarez dessen Mefores de los mejores vor - die allergrößten Erfolge wie Volver, El Dia Que Me Quieras, Por Una Cabeza, Mi Buenos Aires Queido u.s.w. . Alvarez gelingen mit seiner lyrischen, geschmeidigen, wandlungsfähigen Stimme und einer nuancenreichen Ausdruckspalette von sanft umschmeichelnd oder verhalten klagend bis euphorisch volltönend sehr einnehmende Interpretationen dieser wunderbaren Vorlagen; vokaltechnisch brillant, gelegentlich mit dem klassischen Duktus ein wenig zu heldenhaft für das Genre, und interpretatorisch mit weitgehend perfekt inszeniertem Gefühl und Leidenschaft. Besonders strahlend ragt Por Una Cabeza heraus. Mit dem Bandoneonisten Nestor Marconi führt einer der Besten seines Fachs das auch im übrigen erstrangig besetzte Begleitquintett an: Fernando Suarez-Paz, Pablo Ziegler und Hector Console sind 2/3 des letzten Piazzolla-Ensembles, dazu kommt der Gitarrist Mauricio Cardozo. Im Schlußtitel kehrt Gardel höchst persönlich via Studiotechnik auf diese Erde zurück, um mit seinem jungen Kollegen ein Duett zu geben; ein technischer Gimmick, der langsam Schule macht, den ich allerdings als Liebhaber authentischen Materials mit gemischten Gefühlen höre. Mir scheint auch, als lässt Alvarez hier seine technischen Muskeln eine Idee mehr spielen, um im direkten Vergleich mit dem charismatischen Idol mit sonorer Potenz zu punkten. Aber ich möchte nicht humorlos sein. Alvarez´ Ausflug in Gardels Tango-Refugium ist für all diejenigen, die gutausgebildete Stimmen lieben und sie im “außerklassischen Bereich³ nicht als überzeichnet empfinden, eine empfehlenswerte und gut tanzbare Veröffentlichung. Gerhard Litterst 1. Tanzbarkeit: ++++ 2. Klangqualität: +++++ 3. Titelauswahl/Interpretation: ++++ 4. Editorischer Wert: +++ 5. Vokalanteil: 100% 6. Spieldauer: 49:42 min. Gerhard Litterst ist seit 1979 als freier Journalist im kulturellen Bereich für diverse Fachzeitschriften tätig. Neben seiner journalistischen Ausbildung hat er eine musikalische Ausbildung in klassischem Gesang und Musiktheorie. ---------------------------------------------------------------------------- (Erschienen in Tangodanza, Zeitschrift für Tango Argentino, Nr. 3/2002)
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