
Erscheinungsjahr: 2005
Spielzeit: 57 min
Bestellnummer: dz005004
Preis: 17.99 €
michelangelo 70 oblivion fugatta adios nonino chiquilin de bachin bayres 72 libertango ojala que me escuche otono porteno la muerte del angel vuelvo al sur balada para un loco
Hoffentlich hört er mich!", so lautet der Titel der jüngsten Folge von Blas Riveras Projet "Tango Jazz Embrace" auf deutsch. Gemeint ist Astor Piazzolla. Der wäre vermutlich angetan von den Interpretationen seiner Stücke durch den in Brasilien lebenden Argentinier, der den Tango auf dem Tenorsaxofon bläst und so die Jazzanteile in Piazzollas Musik umso deutlicher hervorkehrt. Nach mehreren Alben mit eigenen Kompositionen wagt Rivera sich an ein knappes Dutzend Klassiker seines grossen Vorbildes heran und kann dessen langjährigen Pianisten Pablo Ziegler als Gast gewinnen. Musik-Check: ++++ Hifi-Check: ++++
Blas Rivera fühlt sich nach eigenen Aussagen als ein Musiker, der immer zwischen den Stühlen hockt: Die Tangomusiker mögen sein Saxofon nicht, die Jazzer finden, er improvisiere zu wenig, und die Klassiker sagen, er improvisiere zu viel. Solche Leute sind gemeinhin aber immer noch die interessantesten. Im Tango war es die unkonventionelle Verbindung mit Jazz und Klassik durch Astor Piazzolla, die diese Musik in den 80ern wieder zu neuer Blüte führte. So ist es kein Wunder, dass Blas Rivera diesen Pionier auf seine Weise hier ausladend interpretiert. Oft hat er dabei etwas Lyrisches, erinner eher an Nino Rotas Filmmusiken als an den puren Tango-Gestus. Immer wieder umspielen und umschlingen sich Saxofon, Bandoneon, Klavier, Violine und Cello auf barocke Weise. Dann ist auch mal ein Trauermarsch dabei, später dagegen ein Stück mit hektischer Rhythmik. Wäre diese elektronisch generiert, müsste man es wohl Drum'n'Bass nennen. Dazwischen tauchen Duette auf, eines davon zeigt die spanischen Einflüsse des Tangos. Und zum Schluss kreuzt gar ein kakophonischer Tango einen Walzer. Rivera nennt seine Musik ein "Bastard-Salat". Damit hat er wohltuend Recht.
Er sitze zwischen allen Stühlen, sagt der in Rio lebende Argentinier Blas Rivera. Die Jazzer vermissten in seiner Musik die Dominanz improvisatorischer Anteile, die Tango-Fraktion hielte nichts von einem Saxofon in ihren Reihen, die Klassiker schliesslich sähen sein Instrument als "minderwertig" an. Nun, da geht es ihm wohl nicht anders als seinem großen Vorbild, das unter strengen Puristen auch nicht wohl gelitten war. Die Rede ist von Astor Piazzolla, dessen Kompositionen Rivera jetzt ungewohnt aufbereitet hat. Es ist faszinierend, in Riveras Arrangements die Oberton-Korrespondenzen und -Dissonanzen zwischen Tenorsax und Bandoneon zu verfolgen. Es ist zudem überraschend, was der Bläser aus einigen bekannten Piazzolla-Nummern gemacht hat. "Libertango" beispielsweise kommt mit brassbandartigen Bläsersätzen daher, dazu ertönt irgendwann ein santanaeskes E-Gitarrensolo. Beeindruckend auch, wie Rivera in seinen getragenen Soli genau den unpathetischen (und dabei doch so berührenden) Ton seines Idols trifft. Der Tenorsaxofonist ist zweifellos ein würdevoller und würdiger Nachfolger Piazzollas. joe
Eine Hommage an das Vorbild des Tango Nuevo, Astor Piazzolla, ist diese vierte CD des argentinischen Kosmopoliten und Saxofonisten Blas Rivera, diesmal also nur ein Titel aus seiner Feder. Überraschend, denn unter Insidern gilt Rivera als DER Nachfolger Piazzollas, hier beschäftigt er sich mit dessen Kompositionen. Aufgenommen wurde in internationaler Besetzung und hoher Qualität mit neun Gästen aus Brasilien, England, Uruguay, Frankreich, USA und Italien. - Insofern erweitert oder verringert sich das B. Rivera Quartet (Piano, Violine, Bandoneon, Sax) je nach Stück auf (E-)Gitarre, Schlagwerk, K-Bass, Gesang, Violincello, Altsax, Synthisizer u. Ä., so dass jedes Stück ein eigenes besonderes Arrangement darstellt, dem sich das Sax unterstellt (Rivera beutet Gäste und Piazzolla nicht aus, sondern verwandelt neu). Dies macht die CD so wunderbar durchgängig hörbar und teilweise wirklich überraschend. Die "alten" berühmten Hits wie Michelangelo, Libertango werden neu erfahren, regen zum neuen Verständnis an (wie auch hier die mir bekannte beste "el loco"-Aufnahme): Wer Piazzolla, den Klang eines meisterlich gespielten Sax oder einfach "saugute" Musik schätzt, wird diese CD lieben. (Corina Oosterveen für das Magazin Folker)
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